Der Auftritt von Federica Brignone bei den Olympischen Spielen ist kaum in Worte zu fassen. Mit Doppelgold nur wenige Wochen nach ihrem Comeback überraschte die 36-Jährige alle, zahlt nun aber den Preis dafür.
Es grenzte an ein sportliches Wunder, was Federica Brignone im Februar 2026 auf den Schnee zauberte. Nur zehn Monate nach einer verheerenden Verletzung im April des Vorjahres, bei der sie sich eine schwere Fraktur am linken Bein (Schien- und Wadenbeinbruch sowie einen Kreuzbandriss) zugezogen hatte, kürte sie sich in Cortina d'Ampezzo zur Doppel-Olympiasiegerin im Super-G und im Riesenslalom.
Ärzte hatten ihr nach dem Unfall prophezeit, dass sie im optimalen Fall erst in zwei Jahren wieder auf den Skiern stehen könne. Doch Brignone widerlegte alle Prognosen, pushte sich im Eiltempo durch die Rehabilitation und belohnte sich mit dem ultimativen Triumph vor Heimpublikum.
Die Quittung für diese physische und mentale Grenzerfahrung folgte jedoch prompt. Die Italienerin beendete die laufende Saison nach den Spielen mit sofortiger Wirkung und liess die Rennen in Val di Fassa und in Åre aus.
"Ich trainiere ziemlich hart, setze aber auch meine Behandlung fort. Der Frühling war schwierig; ich hatte noch grosse Probleme beim Gehen. Ich habe Mitte Mai mit dem Training begonnen, aber ich kann noch lange nicht so trainieren wie vor meiner Verletzung", sagte "Fede" nun bei L'Equipe. Die Muskeln seien wieder da, allerdings sei sie längst noch nicht so fit wie zuvor. "Ich habe ständig Schmerzen."
Brignone plant gar, Anfang August wieder auf den Skiern zu sein, sagt aber: "Ich weiss noch nicht, ob ich die kommende Saison mitmachen kann." Zwar sei Ushuaia im September im Programm, "aber wenn ich so starke Schmerzen habe wie letzte Saison, wird es unerträglich sein". Es sei nun zwar etwas besser als letzten Sommer, "aber mein Körper wird sich nie vollständig erholen".
Ob die Italienerin in der kommenden Saison also am Start stehen wird, ist noch unklar. Eine Zukunftsentscheidung hat sie allerdings bereits getroffen. Zur Olympia 2030 sagt sie: "Ich persönlich werde sicher nicht dabei sein, zumindest nicht als Athletin. Es ist einfach zu weit weg."
Reisen und Sport – ganz ohne Einschränkungen – will sie momentan lieber, auch eine starke Saison. Den Austragungsort von 2030 lobt sie: "Ich finde die Wahl von Val d'Isère ausgezeichnet. Die Strecke ist schwierig und anspruchsvoll, aber es sind die Olympischen Spiele, und die besten Athleten der Welt müssen gewinnen. Deshalb müssen die Strecken dem Standard des Weltcups entsprechen."
Dominic Hodel Federazione Italiana Sport Invernali Federica Brignone Ski Alpin welovesnow.ch