Fast acht Monate nach ihrem schweren Trainingssturz kämpft Michelle Gisin weiter um ein mögliches Comeback. Gegenüber SRF schildert die zweifache Olympiasiegerin die körperlichen und mentalen Herausforderungen der Reha - und erklärt, warum ihre Zukunft im Skisport weiterhin offen ist.
Knapp acht Monate ist es her, dass Michelle Gisin im Abschlusstraining in St. Moritz schwer stürzte. Die Diagnose las sich wie aus einem Horrorbuch: einen Kreuz- und Innenbandriss im linken Knie, Verletzungen am rechten Handgelenk sowie eine schwere Verletzung an der Halswirbelsäule. Wie sie sagt, entging sie dabei nur knapp einer Querschnittlähmung.
Mittlerweile geht es der 32-Jährigen besser. Dennoch war ihr Sommer von Gegensätzen geprägt. Auf der einen Seite standen die Hochzeit mit ihrem langjährigen Partner Luca de Aliprandini und viele Wanderungen in ihrer Heimat Engelberg, auf der anderen Seite die anhaltende Ungewissheit über ihre sportliche Zukunft. Das berichtet die Obwaldnerin im Gespräch mit SRF.
Inzwischen befindet sie sich in der Reha. "Langsam kann man es als Training bezeichnen. Zuvor war es eher Bewegungstherapie, jetzt ist es Krafttraining, das vor allem eine grosse Challenge darstellt", sagt sie gegenüber SRF. Besonders das Krafttraining sei derzeit eine grosse Herausforderung. Bei Kniebeugen liege sie aktuell deutlich unter ihren früheren Werten. Positiv überrascht sei sie hingegen von ihrer Koordination, die sich erstaunlich gut entwickelt habe.
Auch mental erlebt die Engelbergerin schwierige Phasen. Sie beschreibt die Situation als ständiges Schwanken zwischen Hoffnung und Zweifel. Zwar stand Gisin inzwischen wieder auf Schnee, doch an reguläres Skitraining sei noch nicht zu denken. Trainingslager auf den südamerikanischen Gletschern seien für sie momentan ausgeschlossen.
Ob ein Comeback realistisch ist, lässt Gisin bewusst offen. Sie betont gegenüber SRF: "Mein Umfeld hat mich darauf festgenagelt, was ich ganz am Anfang gesagt habe: Dass ich auf den Ski entscheiden will. Ich will so eine unglaublich schöne, erfolgreiche Karriere nicht auf der Physio-Liege beenden. Das habe ich nicht verdient."
Aktuell sieht sie drei mögliche Szenarien: eine Rückkehr rechtzeitig zur Heim-WM 2027 in Crans-Montana, ein Comeback erst in der Saison 2027/28 oder den Rücktritt vom Spitzensport. Einen Grundsatzentscheid will die Schweizerin im Herbst fällen. "Je nachdem, wie es mir dann geht. Ich will das Feuer noch einmal spüren und, wenn es so stark weiterbrennt, mir die Chance geben, es noch einmal zu versuchen"
Michelle Gisin Ski Alpin Soraya Sägesser welovesnow.ch