Nur noch rund vier Wochen müssen sich die Skifans gedulden, ehe es im Weltcup endlich wieder losgeht. Die ganz Besessenen konnten sich im Sommer allerdings mit den Rennen in Neuseeland und Südamerika vergnügen. Wir werfen einen Blick auf die Schweizerinnen und Schweizer, die am anderen Ende der Welt für Furore sorgen wollten.
In Südamerika, genauer gesagt in Ushuaia, waren aus Schweizer Sicht vor allem zwei Riesenslaloms und zwei Slaloms von Interesse. Aus Sicht von Giuliano Fux, der im März Junioren-Weltmeister wurde, waren dies auch die erfolgreichsten Rennen. Und ja: Gleich in beiden Disziplinen sorgte er für Furore.
Obwohl der Oberwalliser bisher im Slalom deutlich stärker eingeschätzt wurde, zeigte er in den beiden Riesenslaloms mit zwei zweiten Rängen, dass durchaus auch bei den grösseren Torabständen viel Potenzial in ihm schlummert. Einziger Wermutstropfen: Die Abstände von 0.85 Sekunden und 0.56 Sekunden waren auf Sieger Nickco Palamaras doch beträchtlich.
Im ersten Slalom konnte er dann seine Qualitäten vollends ausspielen. Den Finnen Jesper Pohjolainen – seines Zeichens schon zweimal in die Weltcuppunkte gefahren – distanzierte er gleich um sieben Zehntel. Im zweiten Slalom lief es ihm dann schon im ersten Lauf nicht optimal, im zweiten schied er gar aus. Trotzdem kann der 21-Jährige mit viel Selbstvertrauen nach Europa zurückkehren.

Abgesehen von Giuliano Fux hatten die Schweizer in den Riesenslaloms allerdings nur wenig zu jubeln. Im ersten Rennen wurde Cyril Eberle als 18. zweitbester Schweizer. Joel Lütolf als 20., Andri Moser als 24. und Kjetil Zehnder als 27. konnten sich immerhin noch ein paar Punkte holen. Benluca Seiler lief es als 51. gar nicht nach Wunsch.
Etwas besser lief es im zweiten Rennen. Dort schaffte es Andri Moser, der übrigens, wie viele andere Schweizer, die im Südamerika am Start waren, nicht mehr den Kadern von Swiss-Ski angehört, immerhin auf Rang 12 – gemeinsam mit dem Weltcup-erprobten Anton Grammel. Auch Joel Lütolf zeigte mit Rang 15 eine verbesserte Leistung. Cyril Eberle rundete das Resultat erneut als 18. ab.
Der erste Slalom war aus Schweizer Sicht, wie oben schon erwähnt, ein Freudentag. Allerdings nicht nur dank Fux, sondern auch dank Reto Mächler. Der 25-Jährige hatte zwar mit 1.52 Sekunden einen grossen Rückstand, sicherte sich aber Rang drei. Dank Joel Lütolfs elftem Rang gab es schlussendlich ein erfreuliches Schweizer Ergebnis.
Bei Fux' Ausfall im zweiten Slalom konnten seine Teamkollegen nicht alles wettmachen. Dieses Mal war Joel Lütolf der beste Schweizer und fuhr beim Sieg des Spaniers Joaquim Salarich auf Rang sechs. Damit war er direkt vor Reto Mächler klassiert. Mit den Rängen sechs und sieben waren die beiden zwar hinter den Weltcupfahrern klassiert, allerdings auch besser als die restlichen Fahrer.
Weniger erfolgreich liefen diese ersten vier Rennen für die Schweizer Frauen. In den beiden Riesenslaloms hielt Selina Gadient die Schweizer Fahne zweimal als Siebte immerhin einigermassen hoch. Eliane Stössel als 17. und 10. zeigte zweimal ansprechende Leistungen. Lara Baumann konnte als 13. im ersten Rennen mithalten, im zweiten Rennen verzichtete sie auf den zweiten Lauf.
Der erste Slalom war aus Schweizer Sicht dann eine Katastrophe. Nicole Good, nach dem ersten Lauf noch voll bei den Leuten, schied im zweiten Durchgang aus. Besser machte es die 28-Jährige dann im zweiten Slalom als Siebte. In den Schatten gestellt wurde sie dabei von Anuk Brändli, die nach sieben Monaten Pause ihr Comeback feierte und gleich auf den vierten Rang fahren konnte.
Nicht nur die vier Rennen wurden in Südamerika ausgetragen, doch es waren eben die mit der grössten Schweizer Beteiligung. Je sechs weitere Rennen wurden von den Männern und den Frauen gefahren, wobei die grösseren Namen vor allem noch bei den Männern aktiv waren. Erfolgreicher waren die Frauen, doch da stellt sich die Frage nach der Bedeutung.
Eliane Stössel zeigte starke Resultate und ist immer wieder in die Punkte gefahren. Im argentinischen San Martin De Los Andes stand sie im Riesenslalom als Dritte gar auf dem Podest – allerdings mit grossem Rückstand. Gleich 1.48 Sekunden hinter der argentinischen Siegerin war Stössel klassiert. Im Teilnehmerfeld waren dabei vor allem Fahrerinnen, die im Weltcup kaum eine Rolle spielen.
Ähnlich sah die Situation beim dritten Rang von Nicole Good aus, die im Slalom ebenfalls auf Rang drei fahren konnte. Ihr Rückstand war mit 2.14 Sekunden noch grösser, die Vierte wies gar schon 3.48 Sekunden Rückstand auf. Good und die Deutsche Jessica Hilzinger, die Zweite wurde, mussten sich dabei eher wie in einem Junioren-Rennen gefühlt haben, denn es gab gleich mehrere Fahrerinnen mit Jahrgang 2010.
Benluca Seiler und Kjetil Zehnder versuchten sich auch in der Abfahrt. Seiler zeigte dort, dass er eher im Speed zu Hause ist, auch wenn die Resultate noch immer erst nur knapp zu Punkten reichten. Immerhin darf man bei den Männern dank Namen wie Matthieu Bailet oder Jan Zabystran auch etwas bekanntere Konkurrenz gab.
In den technischen Disziplinen war dies wieder ein wenig anders, womit auch der vierte Rang von Cyril Eberle infrage gestellt werden muss. Auch Andri Moser fuhr noch Rennen, konnte aber nicht die ganz grossen Stricke reissen. Ähnlich sah es auf Frauenseite bei Nina Lehmann, Lucie Glassey, Saskia Amaudruz, Camille Jacqueroud und Louise Besse aus.
Vom 28. September bis zum 1. Oktober finden nun die letzten Rennen dieses Südamerika-Cups statt. Dann ist allerdings nicht mehr mit grosser Schweizer Beteiligung, und vor allem nicht mit grosser internationaler Konkurrenz zu rechnen.
Bei Swiss-Ski haben sich die Teams in diesem Jahr aufgeteilt. So sind beispielsweise Loïc Meillard und Co. nach Neuseeland gereist, haben dort allerdings keine Rennen bestritten. Allgemein war das Feld bei den Männern mehrheitlich mit unbekannten Namen gespickt, wodurch die Leistungen der Schweizer Florian Fässler, Alec Hirsch, Luke Niklas Arrigoni und Benjamin Berney kaum einzuschätzen sind.
Ganz anders sieht es bei den Frauen aus. Neben einer Schweizer Gruppe aus dem Europacup waren nämlich auch die Amerikanerinnen vor Ort. Zwar starteten die anwesenden Paula Moltzan oder AJ Hurt nicht bei den Rennen, durch Elisabeth Bocock oder Liv Moritz war das Rennen aber mit vielversprechenden Athletinnen besetzt.
Der erste Riesenslalom endete aus Schweizer Sicht zwar ohne Podestplatz, mit Faye Buff auf Rang 5 und Amélie Klopfenstein auf Rang 7 gab es aber trotzdem erfreuliche Resultate. Claire Schmid auf Rang 13 sorgte für ein gutes Teamergebnis. Daran änderte auch das Ausscheiden von Serena Stebler nichts.
Beim zweiten Riesenslalom war mit Amélie Klopfenstein dann gar eine Schweizerin auf dem Podest. Die Doppel-Jugend-Olympiasiegerin von 2020 musste sich nur der Kanadierin Arianne Forget und der Britin Victoria Palla geschlagen geben, hatte allerdings bereits 3.21 Sekunden Rückstand. Claire Schmid wurde Zehnte, Faye Buff schied aus.
Fast ideal verliefen aus Schweizer Sicht die drei Slaloms, die in Neuseeland ausgetragen wurden. Im ersten konnte Aline Danioth ihr Können mit dem zweiten Rang zeigen. Die Urnerin musste sich Moritz nur knapp geschlagen geben. Klopfenstein zeigte sich auf Rang vier stark und auch Buff als Neunte holte gleich mehrere Punkte.
Danioth war dann auch im zweiten Slalom auf dem zweiten Rang, musste sich dieses Mal aber von der Britin Molly Butler geschlagen geben. Zudem konnte Klopenstein dieses Mal auch aufs Podest fahren und wurde Dritte. Mit Faye Buff auf Rang 8 und Claire Schmid auf Rang 15 war das Rennen hauptsächlich von Schweizerinnen geprägt.
Beim dritten Slalom war Danioth dann nicht mehr am Start. Auch mit einem Podestplatz von Klopfenstein wollte es nicht klappen. Sie wurde schlussendlich Achte und war damit einen Rang hinter Teamkollegin Buff klassiert. Claire Schmid holte sich als 15. ebenfalls noch Punkte, bei Chiara Valentina Müller war der Rückstand mit 8.45 Sekunden bereits zu gross für Punkte.
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